Branche: Maschinenbau (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 76 · Umsatz: ca. 2.156.000 € · Verbindlichkeiten: 980.000 €
Kernproblem
Ein stiller Gesellschafter drohte mit Rücktritt vom Darlehen, wenn nicht innerhalb von 14 Tagen gehandelt wird. Die Prokuristin meldete sich, weil der GF im Krankenhaus lag – plötzlich fehlte die Unterschrift für alles.
76 Köpfe, 2.156.000 € Umsatz, 980.000 € Verbindlichkeiten – die Maschinenbau-GmbH wirkte von außen noch intakt. Innen: kein 13-Wochen-Plan, Debitoren bei 140.000 € über 90 Tage.
8 Wochen im Überblick
In den ersten Tagen ging es nur um Klarheit: Was ist fällig, was ist verhandelbar, was ist Illusion. Wenn Gesellschafter nicht mehr unterschreiben, ist die GmbH oft handlungsunfähig, bevor sie zahlungsunfähig ist.
In Woche 1 bis 3 haben wir einen 13-Wochen-Plan in drei Szenarien gebaut und eine Gläubigermatrix erstellt – sechs Gläubiger machten 70 % der Verbindlichkeiten aus. Steuerberater und Insolvenzkanzlei ordneten die Insolvenzreife parallel ein.
Ab Woche 4: strukturierter Zahlungsstopp, zwei Stundungsgespräche, Ratenplan über 372.400 €. Wöchentlicher Abgleich – kurz, schriftlich, ohne Theater.
Patt löst man nicht mit lauterer Runde, sondern mit Beschlussfähigkeit und klaren Exit-Pfaden.
Ausgang
Am Ende: Gesellschafterstreit als Option, nicht als Wunsch. Dokumentation sauber, Bank informiert, kein Insolvenzantrag nötig – vorerst.
Was ich anders machen würde
Drei Fehler, die ich in vergleichbaren Mandaten immer wieder sehe:
- Weiterzahlungen an Lieferanten, die nicht existenzsichernd sind
- Zahlungen an verbundene Personen ohne Beschluss
- Verkaufsgespräche mit dem ersten Interessenten ohne Due Diligence
Was GF und Gesellschafter riskieren
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.