Branche: Handel (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 47 · Umsatz: ca. 1.449.000 € · Verbindlichkeiten: 630.000 €
Was uns zuerst aufgefallen ist
Der GF schilderte die Lage nüchtern – der Investor aus der zweiten Runde verlangte Transparenz, die der GF aus Scham verzögerte. Negative Wochenliquidität ab Monat 2 im Liquiditätsforecast. 151.000 € Forderungen, die in 90 Tagen nicht reinkommen. Zahlungen nach Priorität „Bauchgefühl“ statt Protokoll. Kein dokumentierter Beschluss zum weiteren Vorgehen.
Was in 19 Wochen passierte
Woche zwei war unangenehm – Gespräche mit dem Finanzamt und dem größten Lieferanten, beide ohne Versprechen. Ich dokumentiere jeden Schritt so, dass ein späterer Gutachter die Logik nachvollziehen kann.
Woche eins: SuSa, Bank, Gläubigerliste. Woche zwei: Liquiditätsforecast und Matrix – 69 % der Schulden bei sechs Namen. Woche drei: Stundungsgespräche, Raten über 207.900 €.
Ab Woche 5 lag der Fokus auf Erwerberliste und Notarvorbereitung. Der GF führte das Protokoll selbst – das war sein Wunsch.
Bank und Finanzamt lesen Zahlen – nicht Stimmung. Deshalb zuerst Daten, dann Gespräche.
Stand am Ende
19 Wochen später hatte der GF eine Entscheidungsvorlage, die auch die Gesellschafter unterschreiben konnten. Unternehmensbewertung war realistisch – weil die Zahlen stimmten.
Fehler, die Zeit kosten
Was ich anders machen würde: Gesellschafterbeschlüsse nur mündlich, nie im Protokoll. Rücktritt des GF ohne Übergabe an einen handlungsfähigen Nachfolger. Ein Erwerber ohne NDA und ohne Referenzprüfung.
Haftung – kurz eingeordnet
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.