Branche: Handel (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 57 · Umsatz: ca. 1.046.500 € · Verbindlichkeiten: 455.000 €
Was uns zuerst aufgefallen ist
Der GF schilderte die Lage nüchtern – der Investor aus der zweiten Runde verlangte Transparenz, die der GF aus Scham verzögerte. Negative Wochenliquidität ab Monat 2 im Liquiditätsforecast. 181.000 € Forderungen, die in 90 Tagen nicht reinkommen. Zahlungen nach Priorität „Bauchgefühl“ statt Protokoll. Kein dokumentierter Beschluss zum weiteren Vorgehen.
Was in 13 Wochen passierte
Woche zwei war unangenehm – Gespräche mit dem Finanzamt und dem größten Lieferanten, beide ohne Versprechen. Stundungen sind kein Gegenbeweis – sie können sogar ein Indiz sein.
Woche eins: SuSa, Bank, Gläubigerliste. Woche zwei: Liquiditätsforecast und Matrix – 75 % der Schulden bei sechs Namen. Woche drei: Stundungsgespräche, Raten über 159.250 €.
Ab Woche 5 lag der Fokus auf Erwerberliste und Notarvorbereitung. Der GF führte das Protokoll selbst – das war sein Wunsch.
Zahlungsunfähigkeit beginnt nicht beim Kontostand null, sondern bei dauerhaft fehlender Zahlungsfähigkeit.
Stand am Ende
13 Wochen später hatte der GF eine Entscheidungsvorlage, die auch die Gesellschafter unterschreiben konnten. Zahlungsunfähigkeit war realistisch – weil die Zahlen stimmten.
Fehler, die Zeit kosten
Was ich anders machen würde: Privatentschuldungen mit Firmengeld vermischt. Steuerschulden verschwiegen, bis das Finanzamt von selbst anruft. Gesellschafterbeschlüsse nur mündlich, nie im Protokoll.
Rechtliche Eckpunkte
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.