Branche: Lebensmittel (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 83 · Umsatz: ca. 1.537.000 € · Verbindlichkeiten: 530.000 €
Der Auslöser
Der GF schilderte die Lage nüchtern – der eine Gesellschafter wollte sofort raus, der andere erst nach Rückzahlung eines Gesellschafterdarlehens. Negative Wochenliquidität ab Monat 2 im Wochenplan. 127.000 € Forderungen, die in 90 Tagen nicht reinkommen. Zahlungen nach Priorität „Bauchgefühl“ statt Protokoll. Kein dokumentierter Beschluss zum weiteren Vorgehen.
Der Ablauf – 13 Wochen
Mitte des Monats standen wir vor der Frage: weiterkämpfen, verkaufen oder Antrag – alles drei war nicht drin. Wer verschweigt Steuerschulden im Datenraum, riskiert später § 15b-Themen und Schadensersatz.
Woche eins: SuSa, Bank, Gläubigerliste. Woche zwei: Wochenplan und Matrix – 69 % der Schulden bei sechs Namen. Woche drei: Stundungsgespräche, Raten über 196.100 €.
Ab Woche 5 lag der Fokus auf Erwerberliste und Notarvorbereitung. Der GF führte das Protokoll selbst – das war sein Wunsch.
Schulden in der GmbH sind kein Ausschlussgrund – aber ein Filter für seriöse Erwerber.
Was am Ende stand
13 Wochen später hatte der GF eine Entscheidungsvorlage, die auch die Gesellschafter unterschreiben konnten. GmbH mit Schulden verkaufen war realistisch – weil die Zahlen stimmten.
Was andere in ähnlichen Fällen falsch machen
Was ich anders machen würde: Zahlungen an verbundene Personen ohne Beschluss. Verkaufsgespräche mit dem ersten Interessenten ohne Due Diligence. Privatentschuldungen mit Firmengeld vermischt.
Haftung – kurz eingeordnet
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.