Branche: Chemie-Zulieferung (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 60 · Umsatz: ca. 1.768.000 € · Verbindlichkeiten: 680.000 €
Einstieg in den Fall
Die Mutter hielt 30 %, der Sohn operativ – und beide hatten unterschiedliche Vorstellungen von „Exit“. Die Prokuristin meldete sich, weil der GF im Krankenhaus lag – plötzlich fehlte die Unterschrift für alles.
60 Köpfe, 1.768.000 € Umsatz, 680.000 € Verbindlichkeiten – die Chemie-Zulieferung-GmbH wirkte von außen noch intakt. Innen: kein kurzfristiger Zahlungsplan, Debitoren bei 194.000 € über 90 Tage.
Verlauf über 8 Wochen
Die letzten Tage vor dem Notarvorbereitungsgespräch waren ruhig – weil die Zahlen endlich stimmten. Bank und Finanzamt lesen Zahlen – nicht Stimmung. Deshalb zuerst Daten, dann Gespräche.
In Woche 1 bis 3 haben wir einen kurzfristiger Zahlungsplan in drei Szenarien gebaut und eine Gläubigermatrix erstellt – sechs Gläubiger machten 70 % der Verbindlichkeiten aus. Steuerberater und Insolvenzkanzlei ordneten die Insolvenzreife parallel ein.
Ab Woche 4: strukturierter Zahlungsstopp, zwei Stundungsgespräche, Ratenplan über 258.400 €. Wöchentlicher Abgleich – kurz, schriftlich, ohne Theater.
Bei due diligence geht es in der Praxis selten um Theorie – sondern um Timing und Protokolle.
Wo wir landeten
Am Ende: Due Diligence als Option, nicht als Wunsch. Dokumentation sauber, Bank informiert, kein Insolvenzantrag nötig – vorerst.
Drei Umwege, die ich oft nachbearbeite
Drei Fehler, die ich in vergleichbaren Mandaten immer wieder sehe:
- Weiterzahlungen an Lieferanten, die nicht existenzsichernd sind
- Zahlungen an verbundene Personen ohne Beschluss
- Verkaufsgespräche mit dem ersten Interessenten ohne Due Diligence
Was GF und Gesellschafter riskieren
§ 15a und § 15b InsO, § 43 GmbHG, offene Sozialabgaben – konkrete Prüfpunkte, keine Schlagworte. Wer unsicher ist: Insolvenzantragspflicht prüfen.
Fall fiktiv und anonymisiert – keine Rückschlüsse auf reale Mandanten. Keine Rechtsberatung.